Österreich im All: Zwischen wissenschaftlicher Tradition und neuer sicherheitspolitischer Rolle

Ein Artikel von Sophie von Bohlen und Halbach und Norbert Frischauf, EMCP-Anchorman for Science, Technology & Innovation

Österreich hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend als ernstzunehmender Akteur im Weltraum positioniert. Was lange von universitärer Forschung und internationaler Kooperation geprägt war, entwickelt sich heute zu einem breiteren Engagement von wissenschaftlichen Missionen bis hin zu sicherheits- und technologiepolitischen Anwendungen.

Von den ersten Satelliten zur internationalen Anerkennung

Die österreichische Raumfahrtgeschichte1 begann 2013, als mit UniBRITE-1 und TUGSAT-1 die ersten beiden österreichischen Satelliten in den Orbit gebracht wurden. Beide Missionen waren Teil der internationalen BRITE-Konstellation und dienten der Erforschung heller Sterne. Während UniBRITE-1 von der Universität Wien betrieben wird, wurde TUGSAT-1 vollständig in Österreich entwickelt. Dies war ein entscheidender Schritt hin zu eigenständiger technologischer Kompetenz.

BRITE-Austria / TUGSAT-1
© TU Graz/IKS

Eine zentrale Rolle spielte dabei Univ. Prof. DI Dr. Otto Koudelka, der als Projektleiter von TUGSAT-1 maßgeblich zum Aufbau österreichischer Satellitenkompetenz beitrug und bis heute als „Vater des ersten österreichischen Satelliten“ gilt2.

Mit weiteren Missionen wie PEGASUS (2017), dem experimentellen ESA-Satelliten OPS-SAT (2019) sowie dem jüngsten Projekt PRETTY wurde diese Kompetenz kontinuierlich ausgebaut. Österreichische Institutionen (insbesondere die Technische Universität Graz) haben sich dabei als verlässliche Partner in internationalen Programmen etabliert.

Begleitet und eingeordnet werden diese Entwicklungen unter anderem durch Experten wie DI Dr. Norbert Frischauf, der die österreichischen, europäischen und globalen Entwicklungen in der Raumfahrt und ihre technologische Bedeutung seit Jahren analysiert, für Entscheidungsträger aufbereitet3 und auch in den Medien kommuniziert. Hier finden Sie eine von ihm erstellte detaillierte Aufstellung der österreichischen Satellitenprogramme.

Neue Rolle: Sicherheit und technologische Souveränität

Mit dem Projekt BEACONSAT4 betritt Österreich sicherheitspolitisches Neuland. Der geplante Satellit soll ab 2027 Störsignale („Jamming“) und Manipulationen von Navigationssystemen („Spoofing“) analysieren. Technologien, die in modernen Konflikten zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Satellit BEACONSAT
Quelle, ©: GATE Space

Ziel ist es, ein besseres Verständnis für Bedrohungen satellitengestützter Navigation zu entwickeln und damit die Handlungsfähigkeit moderner Streitkräfte zu stärken. Gleichzeitig steht das Projekt exemplarisch für ein wachsendes Bestreben nach technologischer Unabhängigkeit und eigener Datenhoheit.

Allerdings zeigt ein genauerer Blick auch die Realität europäischer Raumfahrt: Österreich agiert selten isoliert, sondern ist Teil internationaler Wertschöpfungsketten. So basiert die Satellitenplattform auf Technologie eines dänischen Unternehmens5, während österreichische Beiträge insbesondere in spezialisierten Komponenten und Nutzlasten liegen.

Hier wird die Bedeutung von Experten wie Dr. Manfred Wittig deutlich. Mit jahrzehntelanger Erfahrung bei der European Space Agency und seiner heutigen Tätigkeit im Bereich hochspezialisierter Kommunikationsnutzlasten (insbesondere Mikrowellen- und Laserkommunikation für Kleinsatelliten) steht er exemplarisch für die technologische Tiefe, die europäische Raumfahrt auszeichnet. Seine Beiträge verdeutlichen, dass moderne Satellitenmissionen maßgeblich durch spezialisierte Technologien geprägt werden.

Portrait Dr. Manfred Wittig
Foto © Manfred Wittig

Weiterführende Analysen und Einordnungen dazu finden sich auch in seinen Fachbeiträgen bei EMCP Relations:

Globales Navigationssatellitensystem – Technologie und Bedrohungen
Spoofing und Jamming: Erkennung und Abwehr
Spoofing und Jamming im Kontext aktueller Ereignisse 

Technologie, Umlaufbahn und Verantwortung im All

Seine Reise ins All wird BEACONSAT im Februar 2027 von US-amerikanischem Boden antreten. Mit einer Rakete vom Typ Falcon 9 des Unternehmens SpaceX wird er vom kalifornischen Vandenberg in den Low Earth Orbit gebracht. Dort soll er für zunächst ein Jahr Daten über Störmanöver sammeln.

Die konkrete Ausgestaltung der Umlaufbahn ist dabei nicht nur eine technische, sondern auch eine regulatorische Frage. Moderne Raumfahrtmissionen müssen sicherstellen, dass Satelliten keine langfristige Belastung für den Orbit darstellen. In größeren Höhen können Objekte über Jahrzehnte im All verbleiben, weshalb gezielte Maßnahmen zur kontrollierten Absenkung der Umlaufbahn zunehmend zum Standard gehören. Solche Konzepte tragen dazu bei, den Anforderungen des österreichischen Weltraumrechts sowie internationalen Nachhaltigkeitsprinzipien gerecht zu werden.6

Auch der Betrieb von Kommunikations- und Sensorsystemen unterliegt klaren globalen Regeln. Frequenzen und Einsatzparameter werden durch die International Telecommunication Union (ITU) koordiniert, um einen störungsfreien und sicheren Betrieb im Weltraum zu gewährleisten.

Schlüsseltechnologien und industrielle Beiträge

Österreichische Beiträge zur Raumfahrt liegen häufig in hochspezialisierten Schlüsseltechnologien. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen GATE Space7, das sich auf die Entwicklung innovativer Antriebssysteme für Kleinsatelliten konzentriert.

Die Entwicklung moderner Antriebstechnologien steht in einer langen Tradition, die bis zu Pionieren wie Robert Goddard und Eugen Sänger8 zurückreicht. Heutzutage findet diese Entwicklung in einem hochkompetitiven internationalen Umfeld statt, in dem sich österreichische Unternehmen erfolgreich mit spezialisierten Lösungen positionieren.

Österreich im All
Eugen Sänger

Eugen Sänger

Kooperation als Erfolgsfaktor

Programme wie das österreichisch-niederländische Projekt ANNEx (eh. LEO2VLEO)9 unterstreichen die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit. Ziel ist es, neue Möglichkeiten für Kommunikation und Erdbeobachtung in niedrigen Umlaufbahnen zu erschließen.

Diese internationale Vernetzung ist ein zentrales strukturelles Merkmal der österreichischen Raumfahrtstrategie: Wissenschaft, Industrie und öffentliche Institutionen werden gebündelt, um gemeinsam globale Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.

Wissenstransfer und nächste Generation

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt dabei in den Menschen hinter den Projekten. Experten wie Manfred Wittig (Fellow im EMCP), Otto Koudelka (Konsulent im EMCP) und Norbert Frischauf (Anchorman for Science, Technology & Innovation im EMCP) bringen nicht nur jahrzehntelange Erfahrung ein, sondern engagieren sich aktiv in der Weitergabe von Erfahrung, Wissen und Können an die nächste Generation.

Österreich ist heute ein etablierter und anerkannter Partner in der internationalen Raumfahrt. Die Entwicklung reicht von wissenschaftlichen Pionierprojekten über experimentelle Plattformen bis hin zu sicherheitsrelevanten Anwendungen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei in einer klaren Strategie: Spezialisierung statt Größe, Kooperation statt Isolation und ein starker Fokus auf wissenschaftliche Exzellenz. In dieser Kombination liegt das Potenzial, auch künftig eine sichtbare und relevante Rolle im globalen Weltraumsektor zu spielen.

Am 23. Februar 2023 fand in der Theresianischen Militärakademie (MilAk) unter der Präsentation von Oberst Dr. Norbert Lachner und Oberleutnant DI Dr. Norbert Frischauf eine Vortragsreihe unter dem Titel Quo vadis, Weltraumfahrt?! statt.
Gesprochen haben unter anderem Univ. Prof. DI Dr. Otto Koudelka, Prof. Dr. Pascale Ehrenfreund
und Dr. Peter Jankowitsch, Außenminister a.D.

Mehr Informationen und eine Aufzeichnung dazu finden Sie hier.


Hinweise:
Externe Links, die auf Seiten außerhalb des Web-Angebots von EMCP führen, sind mit dem Symbol (→) gekennzeichnet. Weitere Informationen: Datenschutzerklärung
Teile dieses Beitrags können (inhaltlich und visuell) mit Hilfe von KI generiert worden sein. Weitere Informationen: Redaktionsleitfaden

Nach oben scrollen